Entstehung des Rotweinwanderweges 1971 – 72

 

 

Ende der 60er Jahre wurde das Wandern, besonders in unserem herrlichen Ahrtal, immer beliebter. Dr. Karl Näkel, der gebürtig aus Dernau war, hatte in Altenahr eine Hausarztpraxix. In seiner Freizeit war er ein passionierter Wanderer hier an der Mittelahr. Dadurch kam er mit sehr vielen auswärtigen Gästen ins Gespräch und hörte sich ihre Anregungen an. Auch wir Winzerinnen und Winzer wurden bei unserer Arbeit im Weinberg oft gefragt, ob es denn außerhalb der Bundesstraße zwischen den einzelnen Weinbauorten keine Verbindung gäbe.

Herr Dr. Näkel hatte dann eine glorreiche Idee. In allen vier Weinbauorten der Mittelahr hatte er gute Bekannte. Er rief aus allen Gemeinden die Bürgermeister, Gemeinderäte, die Vorsitzenden der Fremdenverkehrsvereine und der Eifelvereine sowie interessierte Bürger in das Mitgliederzimmer des Mayschosser Winzervereins zusammen  um ihnen seinen Vorschlag zu unterbreiten einen durchgehenden Weg durch die Weinberge in mittlerer Höhe von Altenahr bis nach Marienthal zu erstellen. Eine Kommission aus Mitgliedern der vier Orte wurde gewählt die sich mit der Erstellung des Weges intensiv befassen sollten. Dies waren folgende Mitglieder: aus Altenahr Ortsbürgermeister Clemens Böder, Beigeordneter Rudi Lang, Ignarz Görtz und Josef Rossi. Aus Mayschoss: Ortsbürgermeister Fritz Bölling, Vorsitzender des Verkehrsvereins Albert Kläs, Winzer Leo Ley, Hermann Schmitz, Präsident der Winzergenossenschaft Franz Asbach und Karl-Hubert Daminn. Aus Rech: Ortsbürgermeister Paul Schreiner, Beigeordneter Josef Liers, Jean Stodden. Aus Dernau: Ortsbürgermeister Willibald Näkel und als Vorsitzender der Gruppe Dr. Karl Näkel, „Stuck" Hermann-Josef Schmitz. Weitere Mitglieder der damalige Landrat Heinz Korbach der sofort von dem Plan begeistert war. Er kam mit seinen Mitarbeitern des Landratsamtes von der Abteilung Landwirtschaft und Weinbau, Büroleiter Jean Linden, Personalchef Richard Remshagen und Abteilungsleiter Paul Schulter sowie Werner Mertens von der Kreisbildstelle. Der Mayschosser Förster Anton Zeyen wurde als Fachmann für Forst- und Weinbauwege in die Gruppe berufen und war beim Bau des Weges von Altenahr bis nach Rech besonders um die Ausnevelierung der Trasse wohl die wichtigste Fachkraft. Albert Kläs, Besitzer des Jägerstübchens und Vorsitzender des Verkehrsvereins Mayschoß, bot der Gruppe an, die gemeinsamen Sitzungen, manchmal 2-mal in der Woche, im Souterrain der Gaststätte abzuhalten. In Dernau und Rech war die Streckenführung wegen der vielen Wege die durch die Flurbereinigung gebaut wurden relativ schnell fertig gestellt. Dort war der schwierigste Teil die große Felspartie oberhalb vom Betrieb Fix, im Recher und Dernauer Auel in der Lage Dernauer Zaungarten (jetzt Mosesquelle). 

Unter Leitung von Hermann-Josef Schmitz wurde mit dem Bau eines Fußwegs durch das Felsmassiv bis zum Weinbergsweg von Rech aus begonnen. Der Weinbergsweg durch den Recher Herrenberg endete vor dem großen Felsmassiv oberhalb des Bergischen Hofes gegenüber den 2 Saffenburgtunnel. Dort war ein Durchkommen, noch nicht mal zu Fuß möglich. Felsen, Bäume, Sträucher und Dornen versperrten hier den Weg. Einige der jüngeren Teilnehmer fanden sich bereit, mit 20 kleinen Weinbergspfählen und Lumpen und alten Hemden bewaffnet die Kletterpartie durch den Felsen zu wagen. Die anderen der Gruppe fuhren begleitet von Förster Zeyen mit dem Traktor auf die andere Ahrseite unterhalb der Saffenburg, von wo man das ganze Felsmassiv übersehen konnte. Hier konnte Förster Zeyen mit seinem Nevelliergerät genau einsehen und stellte dabei fest das ein Höhenunterschied von 15 bis 20 Metern bestand. Die jungen Winzer kletterten hoch und klopften die Weinbergspfähle mit den bunten Lappen fest. Des gleichen ihre Kollegen auf der Recher Seite. Durch Zurufen und Winken auf und ab waren Sie dann nach einigen Stunden sehr harter Arbeit oben an einem gemeinsamen Punkt angekommen.

Dann mussten für die notwendigen Sprengungen Bohrgeräte, Sprengmunition und 30. dicke Strohballen zum abdecken der Sprenglöcher hoch bis zum Pfad geschleppt werden. Diese Strohballen waren sehr wichtig dafür, dass keine Felsbrocken bis auf die Bundesstraße flogen. Während den Sprengungen musste die B 267 für eine Viertelstunde voll gesperrt werden. Dies wurde durch den Gemeindearbeiter und einige Feuerwehrmänner sichergestellt. Im Allgemeinen verliefen diese Sprengungen meist gut. Nur 2-mal ging eine Sprengung schief und

große Felsbrocken mussten von der Bundesstraße geräumt werden. Das Haus der „ Bergische Hof „ wurde Gott sei Dank nicht getroffen. Auch ein wichtiger Punkt war bei der Streckenführung die Zusage der Winzer denen der Weg durch ihre Weinberge führte. Es waren ungefähr 20. Grundbesitzer die ihre Einwilligung geben mussten. Bürgermeister Bölling und der Winzermeister Leo Ley waren die Verhandlungsführer. 3 oder 4 Winzer waren gegen den Bau des Weges wegen der Gefahr, dass dann viele Trauben gestohlen würden. Einige forderten, dass die Stützmauern auch oberhalb des Weges sofort mitgebaut wurden, um das Abrutschen der ersten Reihe der Weinstöcke zu vermeiden. Die Gegner des Baues mussten überzeugt werden, dass die Weinberge in diesen unzugänglichen Lagen durch den neuen Weg besser erschlossen würden. Zusätzlich werde dort ein besonders schöner Teil unserer Mittelahr-Landschaft den Wanderfreunden zugänglich gemacht. Aber nach schwierigen Verhandlungen wurde doch eine gütliche Einigung erzielt. Der Weg war das Ziel und nur Miteinander statt Gegeneinander hieß die Devise. Die Besiegelung dieses Anfangsbeschlusses wurde dann von allen Aktiven im Jägerstübchen in Mayschoss-Laich an einem Freitagnachmittag zünftig mit Sprießbraten und gutem Rot- und Weißwein aus den Lagen Mayschosser Mönchberg und Recher Herrenberg und Dernauer Hardtberg ausgiebig gefeiert. Der Landrat ließ es sich nicht nehmen, die musikalische Unterhaltung am Klavier höchstpersönlich bis zum frühen Morgen zu umrahmen.

Er dankte in einer Lobrede allen an den Arbeiten beteiligten ehrenamtlichen Helfern. Der Dernauer Ortsbürgermeister Willibald Näkel sprach den Dank aller Winzer und Einwohner des Mittelahrtales, allen Behörden, dem Herrn Landrat, dem Technischen Hilfswerk ( THW ), den Mitgliedern der Kreisverwaltung und besonders dem Initiator Dr. Karl Näkel im Namen aller Anwesenden aus. An dieser Stelle muss erwähnt werden das die beiden Ortsbürgermeister von Rech, Paul Schreiner, und von Mayschoss, Fritz Bölling, die hier die Bauaufsicht hatten, bei den Mauerarbeiten und besonders bei den gefährlichen Sprengungen immer zugegen waren und es durch ihren unermüdlichen Einsatz zu keinem Unfall auf dem Weg gekommen ist. Bevor die letzten Arbeiten bis nach Dernau fertig gestellt waren, wurde durch die Vertreter der Kreisverwaltung namentlich durch Landrat Heinz Korbach die Vertreter der unteren Ahrgemeinden gebeten sich dem Projekt Rotweinwanderweg anzuschließen. Dieser Wunsch wurde den Vertretern der Orte Walporzheim, Ahrweiler, Bad Neuenahr, Heppingen, Heimersheim und Lohrsdorf und Bad Bodendorf vorgetragen und von diesen sehr gut geheißen. Der Wegebau verlief dort über meist vorhandene Wege relativ schnell. Die offizielle Eröffnung des Weges erfolgte am 03. Juni 1972 unter großer Beteiligung der Bevölkerung.

Die Altenahrer Winzertanzgruppe, die Blasmusikkapelle Dernau, der Mayschosser Kirchenchor und die Eifelvereinsgruppen aus Dernau, Rech, Mayschoss und Altenahr umrahmten diese Feier.
Da der Platz gegenüber von der Burgruine Saffenburg die vielen Gäste nicht alle fassen konnte, wurden von den Initiatoren alle Mitwanderer in den großen Saal des Weinbauvereins Dernau eingeladen und dort wurde noch bis gegen Morgen zünftig gefeiert.

Gruß- und Dankesworte bei dieser Veranstaltung sprachen Herr Landrat Heinz Korbach und der Initiator des Weges Dr. Karl Näkel den 4 Ortsbürgermeistern und allen am Wegebau beteiligten Arbeitern für ihren großen Einsatz aus. Auch der Ortsbürgermeister von Dernau Willibald Näkel dankte dem Landrat und allen Bürgern der 4 Orte für die vorbildliche Zusammenarbeit beim Bau des Weges und wünschte das dieser Weg in ganz Deutschland und in den Nachbarländern unser schönes Ahrtal noch bekannter machen würde.

Später wurde dieser Platz anlässlich des 10 jährigen Jubiläums ( 1981 ) des Rotweinwanderweges „Korbach Rast„ genannt und eine Gedenkplatte in der Bruchsteinmauer enthüllt. Dies geschah in Dankbarkeit und zu Ehren des Landrates Heinz Korbach der durch seinen unermüdlichen Einsatz dieses einmalige Projekt mit ermöglichte.

von Karl-Hubert Damian im November 2008